Letters & Loops–Untersuchung des Alphabets auf seine Tragfähigkeit                            

Eine Masterarbeit von Cornelia Fraenz: 

Die Buchstabenformen des lateinischen Alphabets bilden die Basis für 26 Strickobjekte, die am Körper getragen werden können. Lesbarkeit changiert je nach Körperhaltung und Fall des Gestricken.
Während die Vokale (bei deren Artikulation die Luft ungehindert ausströmt) aus voluminösem Kardenband gestrickt sind, erscheinen die Konsonanten (durch Verengung des Stimmtraktes gebildet) in feinem, verzwirntem Schurwoll-Garn.

Die textilen Lettern betonen ihre Materialität und Körperlichkeit und entfalten Bedeutungs-potentiale frei von sprachlichen Sinnzusammenhängen. In der Sprache des Textilen zeigt sich die Sinnlichkeit der Buchstaben.

Trotz etymologischer Verbindung und strukturellen Gemeinsamkeiten erscheinen die Bereiche Text & Textil oft in Distanz zueinander: Die Materialität der Buchstaben wird im Wortzusammenhang meist als transparent wahrgenommen. Im Textilen dagegen wird unmittelbar durch das Material selbst kommuniziert.
Beide Bereiche sowie die damit verbundenen Welten Geist & Materie mögen durch diese »Verstrickung« füreinander geöffnet und in Wechselwirkung gedacht werden.

In einer Performance zur MA-Präsentation führen die 26 gestrickten Charaktere sich auf, während auf akustischer Ebene Schreibgeräusche der Buchstaben ihren unmittelbar-körperlichen Eindruck hinterlassen. Nach und nach füllt sich der Raum mit wandelnden Lettern, die jeweils ihre eigene Form im Raum abschreiten und sich auf Podesten hin und wieder in ihrer Lesbarkeit entfalten.

Herzlichen Dank an SchoellerWool für die freundliche Unterstützung!