Für die »Indiecon«, eine Konferenz zum unabhängigen Publizieren von Zeitschriften, entwickelten und gestalteten Studierende, unter anderem der HAW Hamburg, Ende August in rekordverdächtiger Zeit ein Magazin über Hamburgs Oberhafenquartier.

Die »Indiecon« ist eine internationale Konferenz von und für unabhängige Magazinmacher, die am 28. und 29. August zum zweiten Mal in Hamburg stattfand. Im Vorlauf gestalteten 22 Studierende bei der »Indiecon Summer School« ein 80-seitiges Heft zum Hamburger Oberhafenquartier – in nur vier Tagen. 

Die als Workshop angelegte Heftproduktion wurde von den Magazinmachern und Workshop-Virtuosen Klaus Neuburg und Sebastian Pranz von der Zeitschrift »Froh!« sowie dem Fotografen Fabian Weiss geleitet. Die Hälfte der Teilnehmer kamen aus den Studiengängen Kommunikationsdesign und Illustration der HAW Hamburg. Sie besorgten das Design der Zeitschrift, lieferten den Großteil der Fotos und Illustrationen, führten Interviews und schrieben Texte. 

Flinke Produktion und blitzschneller Druck
Sämtliche Inhalte und das Layout entstanden in den vier Tagen vor der Konferenz, am fünften wurde die Publikation im besonders schnellen UV-Offsetverfahren gedruckt und gebunden: »Am Montagnachmittag haben wir uns zum Grillen getroffen und bei null angefangen«, so Pranz. Am folgenden Samstag war das großformatige Heft auf der Indiecon zu bewundern. 

Thematisch umkreist die Publikation das Hamburger Oberhafenquartier, wo sich die alten Lagerschuppen des ehemaligen Güterbahnhofs zu einem der interessantesten kreativen Orte Hamburgs entwickelt haben. Im Heft findet sich eine eine Reportage über die Bewohner der »wohl besten Platte in ganz Hamburg«, bestehend aus Zimmern aus Wolldecken und Holzresten unter einer Brücke, ein philosphisches Essay über Veränderung oder ein Interview über urbane Selbstbestimmung, »kreative Gemengelagen« und »Städte als Marketinggeschöpfe«. Die Studierenden betrieben fotografische Hafenarchäologie in Altenwerder, berichten von den heutigen Mietern im Oberhafengelände, etwa einer Parcour-Trainingshalle oder der »Filmfabrique« und schufen Illustrationen mit skurrilen Objekten aus der dort ansässigen »Hanseatischen Materialverwaltung«, wo es »übergroßes Plastikobst, den Bug eines Seeräuberschiffes und das Tor zur Hölle aus Pappmaschee« auszuleihen gibt. 

Auf dem Titelblatt von »41–43« befindet sich etwas, das wie eine experimentelle Collage aussieht: ein fallender Reiter, politische Symbole, Fraß der Zeit. Das rätselhafte Design entpuppt sich als »Orakel aus dem Müll«, wie es im zugehörigen Artikel heißt: Bei einem Streifzug auf dem Gelände fanden die Magazinmacher in Kleiderabfällen neben Bahngleisen ein verwittertes Buch über die vom Boykott gezeichneten Olympischen Spiele von Los Angeles 1984. Nur ein Steinwurf entfernt möchte die Stadt Hamburg das olympische Dorf der Spiele 2024 entstehen lassen – eine der städtebaulichen Entwicklungsperspektiven, die das Oberhafenquartier gewiss nicht unangetastet lassen wird. 

Der Titel des Heftes bezieht sich ebenfalls auf den Ort: »Das ganze große Areal hat nur drei Hausnummern Stockmeyerstraße 41–43«, so einer der Studenten. »Auf die Weise kamen wir zum Namen des Magazins«.